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Agiles Lernen: So funktioniert selbstbestimmte und motivierte Weiterbildung

von | Feb 17, 2023 | Agilität

Agiles Lernen ist die neue und selbstbestimmte Art von nachhaltigem Lernen. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du selbst agil lernst und wie du dieses agile Lernen bei deinem Team ermöglichst.

 

Früher hattest du vielleicht ein Mitarbeiterjahresgespräch, in dem deine Entwicklungsziele besprochen wurden. Deine Führungskraft hat aus dem Weiterbildungskatalog die dazu passenden Schulungen ausgewählt und dich angemeldet. Im folgenden Jahr hast du dann die Veranstaltungen besucht – Projektmanagement, Führung oder Kommunikation. Die Schulungen waren zumindest interessant. Die Unterlagen hast du heute noch in deiner Schublade. Aber sonst ist alles gleichgeblieben. Und vielleicht haben Schulungen auch heute noch ein Stück weit ihre Berechtigung. Dort, wo es um grundlegendes Wissen geht.

Hoffentlich sind aus den Schulungen mittlerweile Trainings oder Workshops geworden, an denen du dich aktiv beteiligen kannst. Du wirst vom Konsumenten zum Prosumenten, viele Themen werden kollaborativ oder, im positiven Sinne, neudeutsch co-creativ mit anderen Lernenden erarbeitet. Sie ermöglichen dir, dich mit zahlreichen theoretischen Hintergründen und praktischen Ansätzen für die Praxis auseinanderzusetzen. Du erwirbst Fähigkeiten, die dir bei deiner Arbeit helfen. Und wenn du sie dauerhaft anwendest, wirst du zunehmend kompetenter. Aber ist das schon agiles Lernen?

Klassisches Lernen vs. Agiles Lernen

Nein, denn dein Arbeitsbereich ändert sich kontinuierlich. Du hast tagtäglich mit neuen Aufgaben und Herausforderungen zu tun. Dabei kannst du nicht darauf warten, dass das eine oder andere Thema früher oder später als Training oder Workshop angeboten wird, die noch nicht mal auf deinen konkreten Bedarf zugeschnitten sind. Du brauchst neues Wissen und neue Fähigkeiten möglichst zeit- und praxisnah. Aber so flexibel funktioniert das klassische Lernen nicht.

Agiles Lernen kann zwei Dinge bedeuten: Lernen für die Agilität oder agil zu lernen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit Letzterem, wobei insbesondere das Lernen für die Agilität eigentlich in Form agilen Lernens erfolgen sollte. Agiles Lernen basiert dabei insbesondere auf drei Säulen:

  • Befähigung
  • Selbstorganisation
  • Experimentieren

Sie tragen dazu bei auch die Lernkompetenz, eine der wichtigsten Kompetenzen in der agilen Welt, zu entwickeln.

Befähigung zum Handeln

Lernen orientiert sich oftmals nur an den Lehrzielen der Lehrenden. Mit bester Absicht, aber nicht immer zielführend. Agiles Lernen berücksichtigt dagegen insbesondere die Lernziele der Lernenden in Bezug auf den konkreten Bedarf, die Herausforderungen und die Entwicklungsziele in ihrem Arbeitsumfeld. Statt auf Vorrat zu lernen, geht es darum, das Ergebnis im Fokus zu behalten. Wie können die Lernenden neu erarbeitetes Wissen und Fähigkeiten praxisnah erwerben, anwenden und umsetzen?

Die Lernpsychologie lehrt, dass Lernen ein aktiver Konstruktionsprozess ist. Schon Galileo Galilei sagte „Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“ Man kann Wissen nicht einfach von einer auf eine andere Person übertragen. Es muss von jedem Individuum selbst erworben werden. Und das funktioniert am besten, wenn man sich Dinge weitgehend eigenständig erarbeitet, durchdringt und damit für sich selbst in Übung und Praxis konstruiert.

Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.

Das agile Lernen setzt als individueller Vorgang dort an, wo einzelne Menschen ihren Bedarf haben. Es berücksichtigt das Vorwissen und versucht Lernsituationen zu schaffen, die für die jeweiligen Lernenden passend und zielführend sind. Im besten Fall werden sie von einem Lernbegleiter, z.B. einem agilen Lerncoach, auf ihrer Lernreise begleitet. Er oder sie bespricht mit den Lernenden deren konkrete Lernziele und die dahinter liegende Motivation. Diese ist sehr stark von der Autonomie der Lernenden abhängig, also, dass die Lernen selbstbestimmt handeln können. Außerdem spielt es eine Rolle, sich in seiner Kompetenz zu erleben, an Herausforderungen zu wachsen, ohne sich überfordert zu fühlen. Und schließlich ist es hilfreich, wenn sich die Lernenden in einer Gruppe Gleichgesinnter eingebunden fühlen und gemeinsam Erfolge erleben und feiern können.

Selbstorgansiert, aber nicht allein agil lernen

Agiles Lernen findet häufig in Selbstorganisation statt. Die Lernenden sollen aber nicht allein gelassen werden. Neben der Begleitung durch einen agilen Lerncoach, der die Lernreise mit den Lernenden plant, immer wieder zur Reflexion über den bisherigen Weg zur Verfügung steht, bietet sich das kollaborative Lernen mit anderen Lernenden und die Vernetzung mit Spezialisten zum jeweiligen Themengebiet an. Dennoch haben die Lernenden ein großes Maß an Eigenverantwortung. Sie können im besten Fall bestimmen, was, wo, wann, wie und mit wem sie lernen möchten.

Es beginnt bei den Lernzielen, die von den Lernenden selbstgesteckt aber im besten Fall mit dem Bedarf aus dem eigenen Arbeitsumfeld, dem eigenen Team oder der Organisation deckungsgleich sind oder zumindest in Teilen übereinstimmen. Nichts ist motivierender als ein Lernziel, hinter dem man selbst steht, und welches man aus eigenem Antrieb erreichen möchte. Bezüglich der Lernorte und der Lernzeit braucht es einen Rahmen mit dem notwendigen Freiraum und dem Verständnis und der Wertschätzung seitens der Kollegen im Team, bzw. der gesamten Organisation. Schließlich geht es darum, den Lernenden ein breites Angebot an Lernformen anzubieten, die sie individuell oder gemeinsam mit anderen kollaborativ nutzen können. An dieser Stelle seien nur einige kollaborative Settings und Methoden genannt, die in agilen Kontexten häufig genutzt werden. *

*Diese sind im Übrigen auch Bestandteil unserer Agile Coach Ausbildung im Modul Agile Learning, denn der Agile Coach übernimmt häufig auch Verantwortung für das Thema Lernen im Rahmen agiler Projekte und Transformationen.

  • Communities of Practice
  • Kollegiale Beratung
  • BarCamps
  • Lean Coffee
  • Agile Games
  • Liberating Structures

Daneben bietet sich an, Lerninhalte für die Lernenden zu kuratieren, damit diese sich nicht im schier unerschöpflichen Angebot verlieren, sondern die verschiedenen Quellen eigenständig und zielgerichtet nutzen können. Diese Lerninhalte können in einem internen Netzwerk zur Verfügung gestellt und auch mit externen Quellen verknüpft werden. Je niederschwelliger die einzelnen Angebote nutzbar sind, und je wertvoller sie von den Lernenden angesehen werden, desto besser unterstützen sie das selbstorganisierte Lernen.

Experimentieren, um zu lernen

Wer lernt, der bewegt sich über kurz oder lang aus dem Bereich der gewohnten Sicherheit, der sogenannten Komfortzone. Und wer lernt, der macht auch mal Fehler. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, „Fehler“ nicht mit „es ist falsch“ gleichzusetzen, sondern mit „es fehlt noch etwas.“ Sobald dies geschieht, geht der Fokus weg vom Fehler hin zum Lernen und es entwickelt sich eine positive Fehler- oder noch besser Lernkultur, die zur Grundlage einer lernenden Organisation wird.

Dabei ist auch der Aspekt der psychologischen Sicherheit zu betrachten. Je sicherer sich die Lernenden in ihrer Umgebung fühlen, desto eher werden sie bereit sein, gewohnte Pfade zu verlassen, Neues auszuprobieren, Experimente zu wagen und letztendlich zu lernen. Denn genau das ist ein Kern des agilen Arbeitens und agilen Lernens. Inspect & Adapt zielt darauf ab, etwas auszuprobieren, zu überprüfen und aus dem Ergebnis abzuleiten, was man noch besser machen kann. Je früher und schneller, desto besser. Insofern kann auch das agile Lernen ein strukturierter Prozess sein, in dem etwas Neues ausprobiert wird, reflektiert wird, wie weit es zum angestrebten Ziel beigetragen hat und dann ggf. angepasst wird. Das agile Mindset erweist sich somit als gute Grundlage für agiles Lernen. Die Lernkompetenz der Lernenden entwickelt sich stetig weiter und mit zunehmendem Lernerfolg entwickelt sich gleichzeitig das für die Agilität so bedeutsame Growth Mindset. (dazu empfohlen der Trailer zum Film „Cool Runnings“)

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