Agile Methoden: Die ultimative Ăśbersicht

von | Apr 30, 2021 | Agilität | 0 Kommentare

Der Begriff „Agilität“ ist heutzutage in aller Munde. Immer mehr Unternehmen „agilisieren“ ihre Teams und Strukturen und nutzen agile Methoden, um effizienter arbeiten zu können. Dabei verspricht Agiles Arbeiten regelmäßigeren Output, mehr Flexibilität und kundenorientierteres Arbeiten. Oft hört man: Wer Agilität „aussitzen“ möchte, wird am Markt nicht mehr lange überleben. Doch ist Agilität wirklich so überlebenswichtig? Was bedeutet „agil“ überhaupt und welche agilen Methoden und Vorgehensweisen gibt es? Das möchten wir uns in diesem Artikel etwas genauer ansehen.

 

Was bedeutet Agilität?

Wenn von agilem Arbeiten die Rede ist, ist im Prinzip das Arbeiten in Iterationen und das empirische Lernen daraus gemeint. Agilität ist eine (nicht mehr so) neue Form von Arbeit und Projektmanagement, die es durch iterative Arbeitszyklen ermöglicht, flexibler und kundenzentrierter zu entwickeln. Agile Teams arbeiten dabei selbstorganisiert und transparent. Kommunikation und Offenheit stehen im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Agil bedeutet in diesem Fall also schneller reagieren und auf Kundenwünsche eingehen können. Während des gesamten Entwicklungsprozesses lernen die Beteiligten aus den vergangenen Iterationen und verbessern sich dadurch stetig. Sie arbeiten also empirisch.

 

Weshalb Agilität mit den Jahren immer beliebter und gefragter wurde, liegt daran, dass unsere Welt stets komplexer und schnelllebiger wird. Menschen erwarten diese Dynamik auch vom Markt und den Produkten, die sie konsumieren. Wird nicht auf ihre Wünsche eingegangen, kann ein Produkt oder Service schnell vom Markt verdrängt werden. Und zwar von anderen Anbietern, die kundenfokussierter und schlichtweg schneller arbeiten können. Diese Dynamik, die in Zukunft nicht abnehmen wird, verlangt von Unternehmen und Teams neue Herangehensweisen. Diese setzen daher immer mehr auf agile Arbeitsmethoden.

Dabei können sie auf einzelne Aspekte verschiedener Methoden zurückgreifen oder eine Vorgehensweise in ihrer Reinform verwenden – sofern der gesamte Arbeitsprozess damit abgedeckt wird. Außerdem stellt sich die Frage, auf welchen Unternehmensebenen überhaupt agil gearbeitet wird? Es kann einzelne agile Teams geben, es könnte zuerst nur die Management Ebene agil arbeiten, oder aber das ganze Unternehmen stellt seine Vorgehensweise nach agilen Methoden um.

Doch welche agilen Methoden gibt es? Welche funktionieren am besten? Und welche passen am besten zu meinem Team und mir? Was sind die State of the Art Methoden des agilen Arbeitens?

 

Agilität bedeutet Strukturenwandel

Wer wirklich agil arbeiten möchte, kann nicht einfach nur ein Daily Standup einführen und behaupten, die Agile Transformation wäre erledigt. Die wahren Vorteile der agilen Arbeitsweise sind nur dann spürbar, wenn die Führungsebene auch die richtigen Arbeitsbedingungen geschaffen hat und auf den Shift in der Organisation gefasst ist.

Denn agile Teams arbeiten selbstorganisiert. Das bedeutet, sie wissen selbst am besten, was zu tun ist und wie sie sich die Arbeit während einer Iteration einteilen.

Außerdem verlangt Agilität flachere Hierarchien. Der Schritt in Richtung dieser Hierarchien ist für viele, meist kleinere Führungspositionen oft schwer.

Es ist außerdem wichtig, dass agile Teams nicht nur spontan auf Kundenwünsche eingehen können, sondern dies auch tun wollen. Das kann bedeuten, gewisse Teile eines Produktes auch einmal zu verwerfen. Und obwohl das natürlich hart ist, ist es in vielen Fällen aber notwendig. Das Team muss die Wertmaximierung des Produktes im Blick behalten.

Agile Vorgehensweisen bedeuten also nicht nur die Anwendung neuer Methoden, sondern auch einen Wandel der alten Strukturen und Prozesse.

 

Agile Methoden

Grundsätzlich bauen alle agilen Methoden auf dem sogenannten Agilen Manifest auf. Dieses Schriftstück, dass im Jahr 2001 von 17 Softwareentwicklern verfasst wurde, beinhaltet 12 Prinzipien und 4 Werte, auf die beim agilen Arbeiten geachtet werden muss.

Auch wenn Teams nicht nach einer speziellen agilen Methode vorgehen, stellen diese Prinzipien und Werte den Grundstein des agilen Arbeitens dar. Personen, die agil arbeiten mĂĽssen die 12 Prinzipien verstanden und verinnerlicht haben. Denn fĂĽr agile Teams ist es enorm wichtig, dass alle Beteiligten auch wirklich verstehen, wieso auf diese Weise gearbeitet wird.

Die 4 Wertepaare, die das Agile Manifest gegenüberstellt, unterstützen bei der richtigen Priorisierung. Denn obwohl die Werte auch der rechten Seite auch wichtig sind, sind die Werte auf der linken Seite höher zu priorisieren.

 

Agile Methoden: Das Agile Manifest

12 Prinzipien

  • Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frĂĽhe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufrieden zu stellen.
  • Heisse Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
  • Liefere funktionierende Softwareregelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kĂĽrzere Zeitspanne.
  • Fachexperten und Entwickler mĂĽssen während des Projektes täglich zusammenarbeiten.
  • Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die UnterstĂĽtzung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.
  • Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu ĂĽbermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
  • Funktionierende Software ist das wichtigste FortschrittsmaĂź.
  • Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.
  • Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.
  • Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.
  • Die besten Architekturen, Anforderungen und EntwĂĽrfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.
  • In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.

4 Werte

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

 

Welche Agilen Methoden gibt es?

 

Scrum:

Die wohl bekannteste Methode der agilen Welt ist Scrum. Die Projektmanagementmethode aus den 80ern wurde von ihren GrĂĽndern perfekt ausformuliert und im sogenannten Scrum Guide niedergeschrieben. Der GroĂźteil aller agiler Projekte weltweit sind Scrum Projekte. AuĂźerdem kann die Methode sehr gut mit Aspekten anderer Herangehensweisen kombiniert werden. Es baut auf dem Prinzip der empirischen Prozesskontrolle auf und setzt voraus, dass die Mitglieder eines Scrum Teams auch die 5 wichtigen Scrum Werte kennen: Respekt, Mut, Offenheit, Fokus, Commitment. In der Welt von Scrum gibt es auĂźerdem noch Rollen, Events und Artefakte, die in den jeweiligen Sprints eine Rolle spielen. Die Scrum Teams mĂĽssen mit all diesen Begriffen und Rollen vertraut sein und sich vor allem in ihrer Rolle wohlfĂĽhlen. Wenn alle im Scrum Team wissen, was ihre Rolle bedeutet und wie Scrum funktioniert, kann das Projekt erfolgreich gemanagt werden.

 

Alles, was du zum Thema Scrum wissen musst, findest du in diesem Artikel!

 

Design Thinking:

Die Methode Design Thinking verspricht kreative Problemlösung und Ideengenerierung. Viele große Unternehmen, wie beispielsweise Google greifen auf Design Thinking Sprints zurück, um Ideen für neue Produkte zu finden oder Herausforderungen innovativ anzugehen und Probleme zu lösen.

Das interdisziplinäre Design Thinking Team stellt sich im Sprint dabei immer die Frage, was der Kunde braucht und mit welchen innovativen Ideen es den Kunden zufrieden stellen kann. In diesen intensiven Sprints, in denen Kapital und Möglichkeit zweitrangig sind, kommen Teams auf spannende und kreative Ideen.

 

Mehr zu Thema Design Thinking und wie du einen Design Sprint startest, erfährst du hier!

 

Kanban:

Kanban – aus dem japanischen grob übersetzt „Karte“ – ist eine agile Vorgehensweise, die sich in so gut wie allen agilen Organisationen wiederfindet. Nicht zuletzt, weil sie sehr anpassungsfähig und divers einsetzbar ist.

Bei der Kanbantechnik handelt es sich um die Organisation und Koordination von Aufgaben im agilen Team. Diese Aufgaben befinden sich – im Grundgedanken von Kanban – auf Kärtchen an einem physischen Board. Auf diesem Kanban Board bewegen sich die Aufgabenkarten Schritt für Schritt. Die Teammitglieder schieben ihre Tasks von To-Do nach In Arbeit, optional nach Check und irgendwann nach Erledigt. Die Spalten, in denen sich die Kanban-Karten auf dem Kanban Board bewegen, können selbstverständlich beliebig individuell bestimmt und angepasst werden. Heutzutage nutzen viele Teams ihre Kanban Boards auch digital. Die Methode bietet endlose Anpassungsmöglichkeiten.

 

Wie genau Kanban funktioniert, kannst du hier nachlesen!

 

Lean:

Bei der Methode Lean Startup geht es genau um das, was schon im Namen steckt: Lean! Also schlankes Gründen! Gründer gehen bei Lean Startup mit so wenig Kapital wie möglich an den Start und lernen – ganz agil – Schritt für Schritt aus ihren Erfahrungen. Dadurch verbessern sie sich imProzess stetig.

Lean Startup sieht drei Phasen vor: Bauen, Messen, Lernen als wiederkehrender Zyklus. Wer mit Lean Startup ein Produkt entwickeln möchte, muss geduldig sein, denn es sind viele Neustarts vorgesehen. Diese braucht es auch, um möglichst oft neue Erfahrungen zu ziehen und sich verbessern zu können.

 

Wie und wo Lean Startup funktioniert, erfährst du in diesem Artikel!

 

OKR – Objectives and Key Results:

Bei der beliebten Methode OKR – Objectives and Key Results geht es darum, sich klare Ziele zu setzen. Diese unterscheidet man in zwei Arten von Zielen: Zum einen gibt es Objectives. Objectives sind qualitative Überziele, an denen sich das Team orientieren kann. Messbar gemacht wird das ganze durch die sogenannten Key Results. Diese Schlüssel Ergebnisse stellen kleinere, quantitative Ziele dar. Sie sind mit Kennzahlen versehen und können somit gemessen werden. Noch über den OKRs steht die Unternehmensvision, die allen Personen im Unternehmen bekannt sein soll.

Wie bei Scrum, handelt es sich bei OKR um ein Rahmenwerk mit keinen strengen Regeln. Die OKRs dienen als Orientierung fĂĽr alle Beteiligten und sollen die Zielerreichung vereinfachen.

 

Mehr zu der Erfolgsmethode von Google, kannst du hier lesen!

 

Prince2 Agile:

Die Methode Prince2 Agile ist eine agile Abwandlung der britischen Projektmanagementmethode Prince2. Prince2, das erstmals als PRINCE 1989 entwickelt wurde und sich einer klassischen Managementansicht bedient wurde als Prince2 Agile um zahlreiche agile Aspekte erweitert. Dadurch wird es zu einem ganzheitlichen und umfangreichen, agilen Framework. Somit lässt sich Prince2 Agile gut mit weiteren agilen Ansätzen kombinieren und begrüßt das auch.

 

Alles, was du zu Prince2 (Agile) wissen musst, erfährst du hier!

 

Für wen ist Agilität geeignet?

Die meisten (Arbeits)Bereiche profitieren vom Einsatz der Agilität. Trotzdem gibt es auch Umfelder, in denen eine agile Herangehensweise weniger Sinn machen kann. Beispielsweise bei ganz klar definierten Zielen, die nicht mehr angepasst werden müssen und die starr nach einer Herangehensweise verlaufen und nach vorgegebenen Prozessen funktionieren. Ein gutes Beispiel ist hierbei die Buchhaltung: Wahrscheinlich nicht der fruchtbarste Ort für Agilität. (Aber hey, nichts ist unmöglich!)

Außerdem kann Agilität nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten auch wirklich Lust darauf haben! Agile Heroes Co-Founder Roman Simschek nennt dies eine „Koalition der Willigen“. Vor allem zu Beginn der agilen Transformation ist es enorm wichtig, dass die involvierten Personen gewillt sind, diese Reise zu starten! Wenn das der Fall ist, dann steht der Agilität schon nichts mehr im Weg. Nie vergessen: Alle agilen Methoden erwarten Learning Effekte und bauen auf Empirie auf. Teams lernen Schritt für Schritt, damit umzugehen. Nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch der Umgang mit Agilität selbst ist ein nicht-endender Prozess mit Iterationen, die stets aufeinander aufbauen.

 

Welche agilen Methoden passen zu mir?

Befasst man sich etwas mehr mit Agilität und den dazugehörigen Methoden, stellt man schnell fest, dass die meisten von ihnen kombinierbar sind. Viele der Methoden und Vorgehensweisen verstehen sich als framework, an dem man sich orientieren kann. Allerdings lässt sich ein framework auch individuell anpassen und um andere (agile) Aspekte und Best Practices erweitern.

Welche agile Arbeitsweise am besten zu einer Organisation oder einem Team passt, lässt sich schwer sagen. Unterschiedliche Herangehensweisen sind auch stets vom Projekt abhängig und können, wie bereits gesagt, auf verschiedenste Weisen kombiniert werden.

 

Agile Methoden: Agile Coches helfen!

Wer gerne auf den agilen Zug mitaufspringen möchte und nicht weiß, wo er anfangen soll, kann einen ausgebildeten Agile Coach zu Rate ziehen. Vor allem bei größeren Agilen Transformationen, bei denen mehrere Teams und komplexe Strukturen agilisiert werden sollen, ist es ratsam, sich Unterstützung zu holen. Ein Agile Coach ist nicht Experte der Agilität und kennt die wichtigsten Methoden, sondern unterstützt die Personen auch im Wandel. Er versucht die Teams auf empathische Weise in den Methodiken auszubilden und ihnen dabei zu helfen, selbstständig, agil arbeiten zu können.

 

Mehr zum Thema Agilität und Agilen Methoden auf YouTube

Wenn du noch mehr über Agile Methoden, ihre Anwendungsbereiche und wie sie funktionieren, erfahren möchtest, dann schau auf unserem YouTube Kanal vorbei! Dort veröffentlichen wir jeden Donnerstag neuen agilen Content.

 

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